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Eine kleine Weltreise nach Nordholland...

... oder wie ich mit meiner pflegebedürftigen

Oma in den Urlaub gefahren bin.

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Gelesen von Christin Steinbach, Autorin des Beitrags.


Der Verein Urlaub & Pflege e. V. geisterte mir schon seit ein paar Jahren im Kopf herum. Genauer gesagt, seit Ende 2019, denn da erlitt meine Oma eine Hirnblutung. In deren Folge stand ein langer Krankenhaus- und Rehaaufenthalt. Doch die Lähmung der rechten Körperseite blieb. Das war der Anfang ihrer Pflegebedürftigkeit und ihres Einzugs in ein Pflegeheim.

 

Meine Oma war vorher selbstständig und sehr unternehmungslustig. Sie fuhr sogar noch allein im Alter von 80 Jahren mit vollgepacktem Auto zum Zelten durch Europa oder bereiste in einer Reisegruppe Südamerika und Asien. Die Hirnblutung kam plötzlich für uns. Zufällig war die ganze Familie anwesend, sodass wir schnell reagieren konnten. Doch der Schock saß tief, sie im Krankenhaus an allmöglichen Geräten angeschlossen liegen zu sehen. Damals und auch heutige drängt sich mir immer wieder die Frage auf, ob sie das Leben, wie es jetzt ist, gewollt hätte.

 

Aber meine Oma ist eine Kämpferin. Selbst jetzt, Jahre später, gibt sie nicht auf. Sie macht im Rollstuhl sitzend jeden Tag Hantelübungen, um die Muskulatur zu stärken. Sie hat Physio- und Ergotherapeuten, die mit ihr Gehen üben. Und sie will am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Sie will raus aus ihrem Einzelzimmer, klassische Konzerte besuchen oder Ausflüge machen. Sie ist im Heimbeirat, interessiert sich weiterhin für das aktuelle Tagesgeschehen und macht Briefwahl.

 

10 Tage Nordholland

Genau deshalb habe ich ihr 2024 meine Zeit geschenkt und bin mit ihr in den Urlaub gefahren - 10 Tage Gruppenreise in Nordholland über den Verein Urlaub & Pflege e. V. Hier begann unsere kleine Weltreise. Denn für gesunde Menschen scheint es nicht schwer, diese Distanz zu überbrücken, doch für Menschen mit Einschränkungen – wie meine Oma – gleicht es einer Weltreise, was den organisatorischen und finanziellen Aufwand angeht.

 

Urlaub & Pflege e. V. hat sich im Vorfeld um alles gekümmert: barrierefreies Hotel, Ausflugsziele und Verpflegung. Nur um An- und Abreise haben wir uns selbst gekümmert. Der Verein holt Reisegäste innerhalb von NRW ab, aber meine Oma wohnt in Sachsen. Leider die falsche Richtung. Also haben wir 3 Monate vorher ein Bahnticket nach Amsterdam gebucht und den Mobilitätsservice der Deutschen Bahn bestellt. Der Mobilitätsservice kümmert sich um den Transfer aus und in Züge und begleitet Betroffene zum nächsten Bahngleis. Wir wurden nicht allein gelassen.

 

Unsere Weltreise beginnt.

Am 5. Mai um 06:45 Uhr ging es los Richtung Bahnhof. Meine Oma ist in ihrem Leben nie Bahn gefahren und wusste nicht, was auf sie zukommt. 3 Umstiege, 3 Toilettengänge auf Bahnhöfen und 12 Stunden später kamen wir in Nordholland an, wo bereits der Abholservice auf uns wartete. Die Fahrt verlief zum Glück reibungslos.

Am ersten Urlaubstag lernte sich die Reisegruppe bereits besser kennen, erkundete das Hotel und die Umgebung und bekam das Ausflugsprogramm vorgestellt. Das Hotel „De Rijper Eilanden“ in De Rijp glich einem Museum. Die Besitzer haben eine ausgeprägte Sammelleidenschaft für antike Gegenstände, wie Werkzeuge, Spielzeug und Schreibmaschinen. Vor dem Hotel parkten mehrere Oldtimer. Es gab immer etwas zu entdecken.

 

Kleine Schwierigkeiten in den ersten Tagen

Die Erkrankungen und Hilfebedarfe der Reisegäste waren sehr unterschiedlich. Jeder Gast wurde von einer ehrenamtlichen Reisebegleitung betreut. Wenn nötig, unterstützten sie sich gegenseitig, besonders bei schweren Pflegefällen. Das Team musste mit den Gästen erst eine Routine finden. Ich versorgte meine Oma selbst und lernte sie dadurch besser kennen.

 

Meine Oma musste sich erst in den Urlaub einfinden. Obwohl sie früher sehr viel gereist ist, hatte ich sie mit dieser Reise überrumpelt. Durch das Leben im Pflegeheim scheint sich ihre Welt sehr verkleinert zu haben, sodass sie eine längere Reise sehr verunsichert hat. Die ersten Tage war sie mürrisch. Das Reisen in einer Gruppe mit der angebrachten Rücksichtnahme empfand sie als unnötig, die Ausflugsziele tat sie damit ab, dass sie das alles schon gesehen hat. Das Wetter Anfang Mai war ihr zu kalt. Sie ist schon immer eine Sonnenanbeterin gewesen.

Das Ausflugsprogramm hält für jeden etwas bereit.

Nachdem wir in Egmond aan Zee waren, befürchtete ich schon, dass die gesamte Reise ein Fehler war. So kannte ich meine Oma nicht, die sich sonst über jede Abwechslung freute. Dann stand der Keukenhof auf dem Programm. Das lag genau in ihrem Interessengebiet, da sie früher als Floristin gearbeitet hat. Als wir durch die Tulpenbeete spazierten, zeichnete sich langsam ein Lächeln auf ihrem Gesicht ab. Sie erfreute sich an den Blumen, auch wenn die große Blüte bereits vorbei war.

 

Mit jedem weiteren Ausflug verbesserte sich ihre Stimmung. Sie freute sich jeden Tag auf neue Erlebnisse. Wir unternahmen eine barrierefreie Grachtenfahrt durch den Ort, besuchten den Käsemarkt in Alkmaar und unternahmen Hafenbummel in den kleinen Städtchen Volendam und Marken. In einer Käserei und Holzschuhfabrik lernten wir etwas über die typisch gelben Holzschuhe aus Holland und konnten Unmengen an Käsesorten verkosten.

 

Neben den größeren Ausflügen gab es immer wieder Zeiten zum Erholen und in der Sonne sitzen und für gesellige Stunden, zum Beispiel bei Spieleabenden, Kegeln und Bingo oder einer morgendlichen Gymnastikrunde.

 

Ein schöner Urlaub geht zu Ende.

Den Abschluss des Urlaubs bildete ein letzter Besuch in Egmond aan Zee und ein Foto-Abend, bei dem alle Reisebilder gezeigt wurden. Es war schön zu sehen, wie sich alle über die Fotos gefreut haben und bereits jetzt in Erinnerungen schwelgten.

 

Auch am Abreisetag mussten wir sofort nach dem Frühstück zum Bahnhof fahren. Leider stand die Bahnfahrt unter keinem guten Vorzeichen. Am Vorabend wurde uns mitgeteilt, dass der Fahrstuhl an unserem Gleis in Amsterdam defekt ist, sodass wir woanders in den Zug umsteigen müssen. Dort war nicht bekannt, dass wir zusteigen, sodass wir im falschen Wagen landeten und über eine Stunde im Gang standen bis wir zu unseren Plätzen kamen. In Berlin standen Zugausfälle und hohe Verspätungen wegen eines Oberleitungsschadens auf dem Programm. Als wir am Zielbahnhof nach über 14 Stunden Zugfahrt ankamen, war auch dort der Fahrstuhl defekt. Übertrieben gesagt, stand ich kurz vor einem Nervenzusammenbruch. Zum Glück konnten Mitarbeiter der DB Sicherheit eine Lösung finden.

 

Es war nach 23 Uhr als ich meine Oma zurück ins Pflegeheim brachte. Als sie sich zum wiederholten Mal überschwänglich mit Umarmungen und Küssen bei mir bedankte, wusste ich, dass es die Mühe wert gewesen war.

 

Mein Fazit

Urlaub und Pflege muss kein Widerspruch sein. Im Gegensatz, dadurch können neue schöne Erinnerungen für Pflegende und Pflegebedürftige fernab des Pflegealltags gleichermaßen entstehen und für mehr Lebenszufriedenheit sorgen.

 

Meine Oma nutzt auch dieses Jahr das Angebot von Urlaub & Pflege e. V. um in den Urlaub zu fahren. Diesmal möchte sie in den Odenwald in die Nähe von Heidelberg.


Unsere Empfehlung

Beratungstermin bei uns buchen

Wenn Sie mehr zu den Urlaubsmöglichkeiten mit und für pflegebedürftige Menschen erfahren wollen, buchen Sie gern einen Termin bei uns.


Über folgende Wege erfahren Sie mehr über das Angebot von Urlaub & Pflege e. V.

Webseite: https://urlaub-und-pflege.de/

Instagram: urlaub.und.pflege.ev

Kontakt per Telefon: 02504-7396043

Kontakt per Mail: post@urlaub-und-pflege.de

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