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Warum ich meine Kleinkinder mit ins Hospiz genommen habe, als mein Schwiegervater starb...

... und warum das die beste Entscheidung war.

                                                                                                      Fotos: Symbolbilder

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Gelesen von Lisa Westrich, Autorin des Beitrags.


Der Tod eines geliebten Menschen ist immer ein tiefgreifendes Erlebnis. Als klar war, dass mein Schwiegervater sterben wird, war die Zeit für uns als Familie nicht nur von Trauer und Verlust geprägt, sondern auch von vielen schwierigen Entscheidungen – eine davon war, ob wir unsere Kleinkinder mit ins Hospiz nehmen sollten, um ihnen die Möglichkeit zu geben sich von ihrem Großvater zu verabschieden. Heute, im Rückblick, bin ich unendlich dankbar, dass wir diesen Schritt gewagt haben. Und es war nicht nur für uns als Familie wichtig – auch für die Hospizarbeit selbst. 

 

Warum es für die Kinder wichtig war 

Die Kinder sind noch jung, und obwohl sie den Tod noch nicht vollständig verstehen, haben sie eine tiefe Bindung zu ihrem Großvater gehabt. Der Gedanke, sie einfach „davon fernzuhalten“, erschien mir damals nicht richtig. Kinder spüren den Schmerz und die Veränderungen in ihrer Umgebung, auch wenn sie die genauen Umstände nicht begreifen können. Sie sind von Natur aus neugierig und offen und stellen oft Fragen, die Erwachsene in ihrer Trauer vergessen haben. Wenn wir ihnen die Möglichkeit genommen hätten, Abschied zu nehmen, hätten wir ihnen eine wichtige Chance genommen, ihre eigenen Gefühle zu verstehen und zu verarbeiten und uns Erwachsenen die ein oder andere erkenntnisreiche Momente verwehrt. 

Es war eine große Angst von mir, die Kinder in einem Hospiz zu einem so ernsten Moment mit all dem Schmerz und der Trauer zu konfrontieren. Aber gleichzeitig wusste ich, dass sie diese Erfahrungen auf ihre eigene Weise machen mussten. Sie würden sehen, was Sterben bedeutet, aber auch, dass der Tod nicht das Ende der Liebe ist. Sie würden verstehen, dass Trauer Teil des Lebens ist und dass es okay ist, zu weinen, zu fühlen und sich zu verabschieden. 

 

Hospizarbeit und die Bedeutung des Abschieds 

In dieser Zeit habe ich erleben dürfen, wie unglaublich wertvoll Hospizarbeit ist. Sie schafft einen Raum der Würde, der für die betroffenen Menschen und ihre Familien von unschätzbarem Wert ist. 

Ein Hospiz bietet nicht nur medizinische Hilfe, sondern auch einen sicheren Raum, um Abschied zu nehmen, Gespräche zu führen und den letzten gemeinsamen Moment zu erleben. Als meine Kinder das erste Mal im Hospiz waren, war es für sie eine ruhige Atmosphäre, die sie auf eine Art und Weise aufgenommen haben, die ich niemals für möglich gehalten hätte. Und das war genau das, was wir brauchten – eine Atmosphäre, die den Abschied sowohl schmerzhaft als auch tröstlich machte. 

 

Wenn man das Wort „Hospiz“ hört, denkt man oft an Trauer, Leid und Krankheit. Aber Hospize sind viel mehr. Sie bieten Menschen in ihren letzten Lebensphasen nicht nur palliative Pflege, sondern auch emotionale und seelische Unterstützung für ihre Angehörigen. Diese Unterstützung geht weit über die Bedürfnisse der Erwachsenen hinaus. Für Kinder ist ein Hospiz eine sichere Umgebung, in der sie nicht nur den Verlust erleben, sondern auch lernen, dass es in Ordnung ist, Angst zu haben, traurig zu sein und dass das Leben in allen Phasen lebenswert ist. Der Umgang mit dem Tod und der Abschied von einem geliebten Menschen kann für Kinder, wenn es in einem geschützten Raum geschieht, eine heilsame Erfahrung sein, die ihnen hilft, zu verstehen, was Leben und Tod miteinander verbindet. 

 

Es war eine wertvolle Erfahrung für uns alle – und ich bin unglaublich dankbar für das, was das Hospiz uns ermöglicht hat. 



Unsere Empfehlung

Möchten Sie mehr über Hospizarbeit erfahren?  

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20. Februar 2024, 17.00 Uhr 

 

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